Dabei gehe es aktuell gar nicht um einen dringenden Veränderungsbedarf. Vielmehr bestünde, so der CDU-Chef, die Möglichkeit in aller Ruhe und vor allem unter Einbeziehung der Bürger etwas zu entwickeln, was von möglichst vielen getragen werde. Nur dort eine öffentliche Toilette zu fordern und ansonsten alles so zu lassen, wie es ist, sei „ambitionslos“ griff Nippgen-van Dijk einen Zwischenruf seines Fraktionskollegen Zarda auf. „Rein verkehrstechnisch ist es möglich, dass die Busse am Straßenrand vor der Sporthalle halten. Damit könnten die Schüler ohne die Straße queren zu müssen ein- und aussteigen.“ Die Busse brauchen zum reinen Wenden keinen Platz in bester Altstadtlage – Fresenius- und Handwerkerkreisel erfüllten diesen Zweck. Die Straße ist breit.

Die Frage sei, ob Idstein den ZOB phantasievoller und schöner für die Bürger und Besucher der Stadt nutzen könne. Nippgen-van Dijk: „Geht da was, macht das Sinn und über allem: Wollen wir das? Aber wer diese Fragen nie stellt, wird auch keine Antworten für die Zukunft bekommen.“

Das vor bald 10 Jahren gescheiterte Projekt, auf dem Platz ein Einkaufszentrum zu entwickeln, habe einerseits gezeigt, dass es z.B. verkehrliche Alternativen gebe. Aber eben auch, dass viele Bürger sich Sorgen gemacht hätten, was aus der Altstadt würde. „Das wäre aus Sicht der CDU – ohne Zeitnot und ohne aktuellen Handlungsdruck – eine Riesenchance, die Entwicklung des ZOB zu einem Projekt Idsteiner Bürgerbeteiligung zu machen,“ führte Mathias Nippgen-van Dijk aus. „Wir haben oft die Situation, dass wir ziemlich rasch über etwas entscheiden müssen: ein Investor macht ein Angebot und will Ja oder Nein hören. Hier hätten wir die Möglichkeit, in einem breit angelegten Ideenfindungsprozess eine Lösung zu entwickeln.“ Denkbar aus Sicht der CDU seien dabei von der Entwicklung eines innerstädtischen Platzes mit Aufenthaltsqualität, auf dem Märkte oder Feste stattfinden könnten, bis hin zu einer altstadtgerechten Wohn- und Einzelhandelsnutzung erst einmal alles – es komme vor allem darauf an, Ideen und Anregungen anzustoßen. „Eine alte Idee von uns war es z.B., auf der Fläche vor der alten Realschule so etwas wie einen Biergarten zu entwickeln – ist das möglich, findet sich ein Wirt, wollen die potentiellen Biergartenbesucher überhaupt so etwas, wo sollen die Parkplätze hin – alles ganz berechtigte Fragen. Aber einfach zu sagen, lieber nicht dran rühren und am besten lassen wir alles, wie es ist, kann nicht der Anspruch für Idsteins Kommunalpolitik sein!“

Die CDU stelle sich vor – wenn es gelinge, Mehrheiten dafür in der Stadtverordnetenversammlung zu bekommen – eine im Rathaus fest etablierte Stelle für Stadtentwicklung zu installieren. „Man muss“ – so Nippgen-van Dijk – „alles zusammendenken: Einzelhandel und Wochenmärkte, Flächenbedarf und Leerstände, Feste und Veranstaltungen in der Stadt und Parkraum, öffentlicher Verkehr und Raum für Fahrradfahrer. Alles gehört zusammen: was nützen die schönsten Gewerbeflächen, wenn die Kundschaft um die Stadt herumfährt und warum sollte jemand mit Bus, Fahrrad oder Auto in die Stadt kommen, wenn da nichts los ist. Wir brauchen einen Stadtentwickler, der das moderiert.“ Im Übrigen sei die CDU der Auffassung, dass die Stadt hier nur Anstöße geben könne: „Wir müssen die „Schwarmintelligenz“ der Idsteiner Unternehmer und Kaufleute nutzen. Das ist auch die beste Begründung für eine breite Bürgerbeteiligung – auch die Idsteiner Bürgerscahft ist ein intelligenter „Schwarm.“

Die CDU wolle sich jedenfalls sehr schnell nach der Wahl am 14. März daran machen, das Thema Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung auf den Tisch zu legen. Das könne nach der Lähmung durch die Coronapandemie etwas sein, was Kräfte und Ideen freisetze und Impulse für einen Aufschwung in Idstein geben könne. „Durch´s Reden kommen die Leut´ zueinander“, würde man in Österreich sagen, zitiert Nippgen-van Dijk. Aber dann dürfe es nicht beim „gut, dass wir drüber gesprochen haben“ bleiben, sondern umgesetzt werden, was erarbeitet wurde.

Die CDU, so ihr Vorsitzender und „Spitzenkandidat“, danke den Idsteiner Kaufleuten für deren Engagement, das gerade in der Zeit des Lockdowns nicht so selbstverständlich sei. Wenn der vorbei sei, dann gelte es durchzustarten. „Da wird viel akuter Handlungsbedarf sein – aber wir müssen auch mittel- und langfristig dran bleiben. Idstein muss auch in den 2030er Jahren attraktiv bleiben.“ Da sei es geradezu ein Glück, das mit der Fläche zu Füßen des Hexenturmes ein Stadtentwicklungs- und ein Bürgerbeteiligungsprojekt miteinander verbunden werden könne. „Ene Riesensache – und genau dafür brauchen wir die Schwarmintelligenz der Bürger und der Unternehmer hier in der Stadt.“

Autor: Thomas Zarda

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